Archive for ‘lesen’

May 8th, 2012

drm – von anfang an nicht für meine bücher

Telepolis bringt als Nachricht mit einigen weiteren Links, dass der us-amerikanische Science-Fiction-Verlag Tor seine Ebooks in Zukunft ohne Digital Rights Management (DRM) anbietet. Das ist toll, unter anderem für mich als Leserin. Auf meinem E-Reader läuft weder die Kindle-App noch Adobe Digital Editions noch sonst eine proprietäre Software. Ich kann also nur DRM-freie Sachen dort lesen. Dank der guten Arbeit einiger Programmierer funktioniert das auch. Ich kaufe dich Bücher in einem Online-Store, entferne die DRM-Sperre und kann dann das Buch, das ich ja immerhin gekauft habe, auf einem Gerät meiner Wahl lesen. Damit verstoße ich wahrscheinlich gegen diverse Geschäftsbedingungen, aber moralisch fühle ich mich sehr im Recht. Ein Papierbuch lese ich schließlich auch, wo ich das möchte. Meine Lieblingsbücher habe ich sogar gescannt, um sie auf dem E-Reader immer dabei zu haben!

Aber eben weil DRM zu einer Kriminalisierung von eigentlich selbstverständlichem Leseverhalten führt, kommen meine Bücher schon immer ohne diese Schranke. Also: kopiert die Daten auf alle eure Geräte und lest, was das Zeug hält!

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March 18th, 2012

Lizenz zum Lesen

Das merkwürdige an Ebooks ist, dass sie nicht mehr materialiter in Deiner Hand liegen. Speicherung und Übertragung sind nicht an den Transport von gedruckten, gebundenen Seiten gebunden. Der Text ist nicht mehr an ein Objekt gebunden. Auf eine Art ist das die Verwirklichung des autoritären Phantasmas vom Geist, das für die zweite Hälfte des Gutenbergzeitalters das Einkommensmodell von Autoren, Verlagen, Buchhändlern garantierte – der gleiche Text kann unzählbar oft verkauft werden, bleibt dabei identisch mit und dennoch verschieden von dem einen, autorgebundenen Urtext.

Gegen den Verkauf nicht autorisierter Ausgaben entwickelte sich das Urheberrecht. Die Möglichkeit des Kopierens aber blieb. Dennoch blieb gegen die Vorstellung vom geistvollen (gespenstischen?) Text in dieser alten Bücherwelt ein materieller Überschuss, nämlich das Buch als konkreter Gegenstand. Im Buchladen kaufst Du ein Buch, das durch diesen Akt in Deinen Besitz übergeht. Und deshalb kannst Du mit diesem Gegenstand auch alles machen, was nicht das Urheberrecht (oder andere Gesetze) verbieten. Du kannst es zerschneiden und neu zusammensetzen, Du kannst alle Seiten schwarz malen oder weiß oder bunt, Du kannst es als Anzündhilfe für den Kamin verwenden oder zum Pressen von Herbstblättern. Du kannst es auf einen Regalstapel stellen, bis eine Freundin es dort findet, der Du es ausleihst. Und die gibt es vielleicht an einen gemeinsamen Freund weiter und das Buch wandert von dort aus zum nächsten. Oder Du vergisst das Buch und zehn Jahre später willst Du Platz schaffen in Deiner Wohnung, die inzwischen voller Bücher ist, und trägst das Buch zum Antiquariat.

Ebooks kann man nicht stapeln, und auch sonst gehen einem ebook die physischen Eigenschaften eines Buchgegenstands ab. Und diesen Wegfall der Materie haben sich die Produzenten und Verkäufer von ebooks zunutze gemacht. Denn ebooks kann man zwar kaufen. nur verkaufen kann man sie nicht. Beim Erwerb eines ebooks erwirbt man zur Zeit, wenn auch vielleicht das wichtigste, so doch: nur eins: eine Lizenz zum Lesen.

(Etwas besser strukturiert und mit Hinweisen zu den halb vorhandenen Regelungen: ein Artikel zum Problem bei irights.info.)